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Hexenstein 1915-17

Während des Ersten Weltkriegs war der Hexenstein (Sasso di Stria) ein zentrales Kampfgebiet an der Dolomitenfront.

Das österreichisch-ungarische Kaiserreich hatte Cortina am 24. Mai 1915, d.h. am Tag der Kriegserklärung verlassen und sich auf die Verteidigungsstellung der zu Anfang des Jahrhunderts auf dem Valparola-Pass erbauten Sperre Tre Sassi zurückgezogen.

Die Italiener erreichten den Fuss des Hexensteins  fast einen Monat später, als das österreichisch-ungarische Heer schon eine Abwehrlinie aufgebaut hatte, die sich alsbald als unüberwindbar erwies.

Die Straße am Valparolapass war mit drei Reihen Drahtverhau zwischen der Felswand des Lagazuoi und den Felsen des Hexensteins versperrt worden und war dem Kreuzfeuer der Maschinengewehre vom Lagazuoi und vom Sattel des Hexensteins (Selletta) ausgesetzt.

Das österreichisch-ungarische Heer grub Verteidigungsgräben zwischen dem Hexenstein und dem Lagazuoi (Stellung Tre Sassi, im Nachhinein nach dem Namen des Kommandanten Vonbank benannt), um sich den vom Falzarego-Pass kommenden Angriffen zu widersetzen. 
Andere Schützengräben zwischen dem Hexenstein und dem Settsass (Edelweiss-Stellung) verhinderten die Angriffe von der Seite des Andrazwaldes her.

Auf dem Sattel (Selletta), unter dem Berggipfel, hatten die österreichisch-ungarischen Soldaten eine wichtige taktische Stellung befestigt: da sie weit in die italienische Front vorgeschoben war, schränkte sie die Tätigkeit der feindlichen Patrouillen ein.
Da sie sich fast auf gleicher Höhe dem Martini-Felsband  gegenüber befand, war sie jedoch ständig dem italienischen Artilleriefeuer ausgesetzt. 
Diese Stellung wurde nach dem Befehlshaber der Pustertaler Armee, Feldmarschall Ludwig Goiginger benannt. 

Nach der Evakuierung der Festung Tre Sassi am Valparolapass nach einem schweren Bombenangriff durch die italienische Artillerie am 5. Juli 1915, bauten die Österreicher der Hexenstein zu einer Befestigungsanlage aus, um das Gadertal und das Pustertal vor den Angriffen zu schützen, die die italienische Armee vom Falzarego-Pass startete. 

1916 ließ der Kommandant Goiginger einen Verbindungsstollen von Valparola bis zur Selletta-Stellung unter dem Gipfel des Hexensteins bauen, um das italienische Artilleriefeuer und die auf dem Martini-Felsband positionierten Schützen zu vermeiden und so die Versorgung seiner Soldaten sicherzustellen.  
Dieser Stollen, mit Eingang am Valparola-Pass, führt horizontal 500 Meter durch die Ostwand des Hexensteins.   
 


© Privatarchiv Johannes Erdmann

© Privatarchiv Johannes Erdmann

Der Goiginger-Stollen war mit einem Stromgenerator, mit Kühlwassertanks, einer Küche, Lagerräumen, Unterkünften für die Offiziere und Schlafsälen für die Soldaten, Scheinwerferstellungen und, natürlich, mit Geschützen ausgestattet. 
Im Stollen wurden Maschinengewehre und die zwei 80 mm Kanonen "Max" und "Moritz" positioniert, die von der Festung Tre Sassi hinauf transportiert worden waren und auf die italienischen Stellungen des Martini-Felsbands zielten. 

Auf dem Hexenstein wurde am 27. Januar 1916 eine Materialseilbahn in Betrieb genommen. Die Talstation befand sich am Valparolapass, die Bergstation auf Höhe der Wache Sasso Mitte und eine zweite Seilbahn verband Valparola mit Armentarola und Sankt Kassian.

Die Italiener führten drei direkte  Angriffe zur Eroberung des Hexensteins durch.

Mt dem ersten, in der Nacht des 15. Juni 1915, nahmen die Italiener mit einem Überraschungsangriff den Sattel des Hexensteins ein, mussten jedoch drei Tage später den Rückzug antreten.

Auch der intensive Bombenangriff vom 9. Juli 1915 war erfolglos, da er nur die Festung Tre Sassi zertrümmerte. 

Im Oktober 1915, in der Nacht vor der Besetzung des Martini-Felsbands, erreichte eine Patrouille unter dem Kommando des Leutnants Mario Fusettti den Gipfel des Hexensteins, wurde aber von den Österreichern übermannt.    

Da sich diese Verteidigungslinie als undurchdringbar erwies, ging man zum Stellungskrieg über.


© Privatarchiv Johannes Erdmann

1916 begann der Minenkrieg.

Österreicher und Italiener gruben Stollen in die Felswände, um Sprengladungen unter den feindlichen Stellungen zu platzieren und sie in die Luft zu jagen. Auf dem Lagazuoi explodierten vier österreichische und eine große italienische Mine. 
Da der Durchgang am Valparolapass versperrt war, konzentrierten die Italiener ihre Bemühungen gen Westen, auf die Straße nach Bozen und Trient.
Aus taktischen Gründen war es unerlässlich, die umliegenden Gipfel zu erobern, um den Durchgang nach Südtirol und Trient zu ermöglichen, zuallererst den des Col di Lana, in Luftlinie zwei Kilometer vom Hexenstein entfernt. 
Deshalb gruben die Italiener einen langen Stollen, füllten ihn mit circa 5 Tonnen Sprengstoff und ließen ihn am 17. April 1916 explodieren.  
Die Hälfte des österreichischen Kontingents wurde durch den Einsturz von circa zehntausend Tonnen Fels getötet (daher der Beiname „Blutberg“).

Um den Durchgang gen Norden und Westen zu kontrollieren, musste nun auch der Gipfel des Sief erobert werden. 
Die Angriffe wurden bis zum Oktober 1917 fortgesetzt, auch hier mit einer Mine, aber die österreichisch-ungarische Verteidigung konnte nicht überwunden werden. Der Weg ins Trentino blieb somit versperrt. 
Der Oberleutnant Malvezzi, Urheber der Mine des Schreckensteins (Castelletto) und des Lagazuoi,  erarbeitete 1917 das ehrgeizige Projekt eines Stollens mit mehreren Abzweigungen, mit Eingang unter der Goiginger-Stellung, mit zwei Minengängen und zwei Mündungen für die Soldaten. Der westliche Minengang sollte die Edelweiss-Stellung sprengen, der zweite, ostwärts, sollte den Eingang des Goiginger-Stollens zum Einsturz bringen und somit den Versorgungsnachschub zum Sattel (Selletta)  unterbrechen.

Dieses Projekt wurde jedoch nie realisiert, weil im November 1917,  nach der Schlacht von Karfreit, die Dolomitenfront aufgegeben wurde. 

Der Erste Weltkrieg auf dem Lagazuoi: 
Die Rolle des Sasso di Stria bei der Verteidigung des Valparola-Passes und der Angriff auf das Martini-Felsband des Lagazuoi. Die Befestigungsanlagen und die Artillerie auf dem Hexenstein (Sasso di Stria).