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Hoch hinauf - barrierefrei

04/07/2019

Hoch hinauf auf den Lagazuoi: Valentina Tomirotti erobert barrierefrei die Dolomiten 

Von Mantua, 19 Meter über dem Meeresspiegel, bis hinauf auf den Lagazuoi, in 2778 Metern Höhe: Die Bloggerin „Petitosa“ widerspricht jedem Klischee über behinderte Menschen und erobert einen Platz in der Sonne der Dolomiten.

Am 6. Juli wird die Journalistin mit ihrem personalisierten High-Tech-Auto zum Falzarego-Pass fahren und daraufhin den Gipfel des Lagazuoi mit der vollständig behindertengerechten Seilbahn erreichen: eine offene Tür auf einen der schönsten Panoramablicke der Welt.

Die Seilbahn ist auch das Ziel von "Verticale Solidale“ (Vertikal solidarisch), das Event einer gemeinnützigen Organisation, das Menschen mit chronischen Krankheiten, Ärzte, Forscher und Familienmitglieder auf den Berg bringt.
Berühmt geworden ist die Antwort von George Mallory auf die Frage, warum er den Everest besteigen wolle: „Weil er da ist.“.

Fragt man Valentina Tomirotti – alias Bloggerin “Petitosa” - warum sie am 6. Juli auf den Lagazuoi, in 2.778 Metern Höhe hinauf möchte, antwortet sie: “Weil ich da bin”.  
Ich bin frei, mir etwas vorzustellen, es zu entdecken, zu tun. Und ich möchte dort hinauf! “ 
Sie setzt sich über jegliche Rhetorik hinweg, denn im Antlitz der Berge sind wir alle gleich.
Es spielt keine Rolle, ob man "sitzt", ob die Beine wenig oder gar nichts tun, ob Ballast jeglicher Art versucht, sie zurückzuhalten.

Ihre Mission? Zuerst die mentalen Barrieren abbauen, dann die rührselige Rhetorik in die Mülltonne werfen, wonach wer nicht laufen kann oder auf physischer, sensorischer Ebene "anders ausgerüstet" ist sich damit abfinden muss, ein Leben zu leben, das nur zur Hälfte zur Entfaltung kommt.  
Begrenzte Räumlichkeit und engstirnige Auffassungen akzeptieren. Von wegen Dolomiten. 
Eben nicht! Bei einer Körpergröße von einem Meter ist Valentina Tomirotti mit ihrem Rollstuhl eine Gipfelstürmerin: sie macht sich in Ruhe auf den Weg, bewaffnet mit Ironie und Kühnheit, und ist bereit, jedem Vorurteil zu trotzen. 
Die Journalistin, Bloggerin und Digital Storyteller verlässt ihre 19 Meter über dem Meeresspiegel  gelegene Stadt Mantua mit ihrem neuen Auto, ein super-technologischer Wagen, in den man im Rollstuhl sitzend ein- und aussteigen kann. "Ich habe dieses Auto erst seit einem Jahr, den Führerschein seit Oktober, und ich habe große Pläne: Ich bin bereit, in die" on the road "-Phase meines Lebens einzutreten", sagt sie. 
Am Falzarego-Pass, in 2100 m Höhe, an der Talstation der Seilbahn Lagazuoi angelangt, wird sie einfach in die Gondel steigen und in nur 3 Minuten mehr als 600 Höhenmeter überwinden. 
An der Bergstation erwartet sie ein Ausstellungs- und Konferenzgebäude  - eines der höchstgelegenen in Europa - inmitten einer Landschaft, die die Perspektive ins Unendliche öffnet. Gipfel soweit das Auge reicht, wilde, reine und unberührte Landschaft. 
Mit einem großen Parkplatz an der Talstation, Rampen und Panoramalift, Café, Lobby und geeigneten Toiletten sind die Seilbahn und das gesamte Gebäude vollständig behindertengerecht. 

Von der Bergstation aus wird Valentina den Schotterweg in Angriff nehmen, der zum Gipfelkreuz in 2778 m Höhe führt. Dieser im Sommer 2018 eröffnete Weg ist dank seiner maximalen Neigung von 10%  rollstuhlgerecht, was ein Gefühl der völligen Freiheit vermittelt. 
"Wenn der Berg nicht zum Propheten kommt, muss Valentina zum Berg kommen", scherzt sie.

"Die Berge sind eine Art natürliches Hindernis für jeden von uns, unabhängig von unserer Situation. 
Jetzt beweisen wir, dass sie endlich allen zur Verfügung stehen können.
Wir räumen künstliche Hindernisse, wie zum Beispiel Stufen, aus, um natürliche Hindernisse, die uns auf die gleiche Weise herausfordern, intakt zu lassen. " 
Es ist, als würde man einen neuen Weg zum Gipfel einschlagen: Anstatt die Schwierigkeit eines außergewöhnlichen Bergsteigerunternehmens zu feiern, zelebrieren wir hier die noch außergewöhnlichere Emotion, das Umfeld der menschlichen Möglichkeiten zu erweitern, und dabei niemanden auszuschließen.
Was leider immer noch außergewöhnlich ist, in etwas Alltägliches, Normales zu verwandeln.
Das ganze Jahr über, von Dezember bis April und von Mai bis Oktober, kann jeder dank der völlig barrierefreien Seilbahn auf den Lagazuoi hinauf. Er ist für alle da: 100% "menschlich".
In diesem Sinne hat die Journalistin bereits ihr nächstes Ziel vor Augen: "Ich werde einen Verein gründen, der sich mit barrierefreiem Tourismus befasst, um all das zu beseitigen, was sich zwischen die Menschen und ihre Ziele stellt."